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Peru: „Ich habe gerade mein Haus verloren, aber nicht den Glauben“

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Rundbrief zur Fastenzeit 2017 von Pater Peter Bretzinger

Liebe Brüder und Schwestern im Herrn! Niemand kann sich das Ausmaß der Naturkatastrophe vorstellen, von der das Land Peru gegenwärtig heimgesucht wird.
Ein ganzes Land wird von der unbändigen Gewalt der Natur einfach auseinander genommen. Der Grund sind die wolkenbruchartigen Regenfälle, die die Flüsse überquellen lassen. Es ist wie ein Wunder, dass bisher nicht mehr als etwa 80 Menschen ums Leben gekommen sind, über eine halbe Million Menschen sind schwer verletzt, 40 Brücken sind eingestürzt, über 100.000 Familien haben ihr Haus verloren. In diesem Augenblick weiß niemand, wie es weitergeht. Die starken Regenfälle hören nicht auf, Bächlein und kleine Flüsse sind zu Strömen angeschwollen und haben die Hauptstadt erreicht. Bisher kannte Lima diese Probleme nicht. Zurzeit ist die Trinkwasserversorgung in Gefahr. Das Wasser der Flüsse, das bislang in Kläranlagen gereinigt worden war, kann nicht mehr zubereitet werden, aufgrund des Schlammes, das es enthält. Zehn Millionen Menschen sorgen sich um Trinkwasser. Jeden Tag sieht man Massen von Menschen mit Eimern, auf der Suche nach Wasser. Viele Geschäfte und kleine Lädchen haben geschlossen. Nachrichten von Überfällen und Plünderungen werden immer häufiger. Andere nützen die Situation aus, um eigenmächtig die Preise zu erhöhen. Dazu gehört auch der Transport- und Linienverkehr. Bestimmte Buslinien mussten ihren Service einstellen, vor allem solche, die nach dem Norden gingen. Der Einsturz einer wichtigen Brücke an der Panamericana hat die Verbindung zu den Regionen des Nordens vollkommen unterbrochen. In Zeiten schwerer Not ist die Solidarität groß, das sieht man auch an der Kirche, die sich bemüht, an der Seite der Menschen zu stehen, die von so großer Not heimgesucht sind.

Die Anwesenheit von drei Brüdern unserer Gemeinschaft, dazu zwei Schwestern der Gemeinschaft “ María, Mutter der schönen Liebe“ hat ihren Grund in der jährlichen Mission, die wir dieses Jahr zum dritten Mal durchführen, jeweils in der Fastenzeit, mit anschließender Feier der Karwoche in der Pfarrei „Unsere Liebe Frau von Fatima „. Der Beginn der Mission ging in eins mit den schweren Regenfällen, sicherlich ein Grund des Dankes,
gerade in diesen schwierigen Umständen hier sein zu können.
Die Mission besteht aus dem täglichen Besuch von Familien, in deren Häusern der Rosenkranz gebetet und das Wort Gottes betrachtet wird. Die Menschen sind sehr dankbar, viele nützen die Gelegenheit zur Beichte. Dieses Jahr ergab sich insofern etwas Neues, als der Kardinal von Lima unserer Gemeinschaft die Genehmigung gab, die Pfarrei
„Unsere Liebe Frau von Fatima“ definitiv zu übernehmen. Von jetzt an bleiben Juan José, unser Diakon, der am 25. November dieses Jahres zum Priester geweiht wird und zwei Brüder die erst vor Kurzem zu uns gestoßen sind. In den vergangenen Jahren hatte ich zweimal Gelegenheit, mit Kardinal Cipriano zu sprechen. Dabei deutete ich ihm die Möglichkeit und den Wunsch an, eines Tages ein Projekt unserer Gemeinschaft in seiner Erzdiözese zu beginnen. Als dieser Tage der bischöfliche Vikar das Thema ansprach, konnte sich der Kardinal noch gut erinnern und sagte:“ Es wäre gut, wenn sie blieben“. Der Schritt dahin fiel uns nicht schwer, umso weniger, als wir bereits bei unseren ersten Besuchen eine gewisse Unzufriedenheit in der Gemeinde spürten, die ihren Grund hatte in der Abwesenheit eines Priesters, auch wenn eine Schwesterngemeinschaft sich alle Mühe gab, die Lücke priesterlicher Abwesenheit durch großen Einsatz zu schließen. Die Leute wollten einen Priester – bisher ohne Erfolg, niemand wollte diese Pfarrei übernehmen.

Die Pfarrei „Unsere Liebe Frau von Fatima“ befindet sich 15 Minuten vom kolonialen Zentrum der Stadt entfernt, am Fuße des Hügels „San Cristóbal“. Der Sektor befindet sich bereits an der Peripherie der Stadt und ist nicht leicht zu betreuen. Alkohol, Drogen, Prostitution sind allgegenwärtige Probleme. Andererseits, als wir die ersten Familien in Kenntnis unserer Entscheidung setzten, bei ihnen zu bleiben, gab es Freudentränen und dankbare Umarmung. Nachher sprachen wir mit dem Weihbischof bezüglich der konkreten Verwirklichung unseres Planes und es gab sofort Bereitschaft, zu helfen, sowohl was die Instandsetzung des doch sehr hinfälligen Pfarrhauses betrifft, als auch die monatliche Unterhaltung der kleinen Gemeinschaft vermittels einer, vermutlich bescheidenen, Zuwendung vonseiten der Erzdiözese. Dass es sich in unserer Pfarrei von Lima um „Unsere Liebe Frau von Fatima“ dreht, betrachten wir als ein besonderes Geschenk der Mutter Gottes, gerade jetzt, da wir die 100 Jahre jener Erscheinungen feiern. 
Ein anderer schöner Aspekt bedeutet der Beginn unserer pastoralen Arbeit an diesem Ort, genau am Tag des heiligen Josef und die dankbare Feier des 34. Jahrestages meiner Priesterweihe. Von Anfang an ist daran gedacht, die Anbetung des Allerheiligsten einzuführen, zunächst von 5.00 Uhr morgens bis 23.00 Uhr nachts, später aber die 24 Stunden des Tages. 
Zum Schluss möchte ich noch einmal unterstreichen, dass wir es als ein besonderes Geschenk betrachten, gerade in dieser schwierigen Zeit hier sein zu können, da so viele Menschen sich am Rand der Verzweiflung befinden. Es ist der Augenblick, unser Vertrauen in Gott zu bestärken, wer auf Ihn vertraut, wird nicht enttäuscht. Das Beispiel Mariens am Fuße des Kreuzes zeigt uns das Ausmaß ihren Jaworts, welches immer und unter allen Umstanden zu sagen gilt . Die Welt kann zugrunde gehen, mit allem, was wir besitzen, aber was Gott verspricht, geht sicher in Erfüllung bei allen, die Ihm vertrauen. Ich erinnere mich an ein Interview, das ein Journalist mit einem älteren Menschen hatte, er war sehr arm, mit einer Hose bekleidet, jedoch mit nacktem Oberkörper, ohne Hemd. Gerade hatte er sein Haus verloren, es wurde von den Wassermassen gleich einer Streichholzschachtel, weggespült. Vor den erstaunten und bewegten Zuhörern des Programms sagte er: „Ich habe gerade mein Haus verloren, aber den Glauben habe ich nicht verloren. Der Journalist gab zur Antwort: „Was dieser Mann gerade gesagt hat, lässt an die Möglichkeit denken, dass es doch einen Gott gibt“. Armseliger Journalist, bewundernswerter und verehrungswürdiger älterer Herr. Es ist gerade unter solchen Umständen, in denen die Regungen der Tiefe des menschlichen Herzens offenbar werden. Wer Gott hat, hat alles, auch wenn er nichts mehr auf dieser Erde besäße. Und wer meint, er wüsste Bescheid, er vermöge, er besäße etwas, der ist nichts, wenn Gott in seinem Leben keine Rolle spielt. Das soll man den Menschen sagen, wenn all diese Ereignisse apokalyptischer Art in Erfüllung gehen. Wer auf den Herrn vertraut, wird nicht zuschanden. 
Verbleiben wir in unaufhörlichem Gebet, wachsam, solidarisch mit den Leidenden, den Schwachen und entschieden, Gott zu geben, was Er uns geschenkt hat, so dass wir es weitergeben, das Leben, im Dienste Gottes und der Menschen. 
Am Tag des heiligen Josef, Hüter der Kirche und der so geplagten Menschheit. Sein Vertrauen auf Gott ist das Geheimnis seiner Größe. 
Möge der Segen Gottes, auf die Fürsprache der Mutter Gottes, des heiligen Josef, aller Engel und Heiligen auf alle herabkommen zur Ermutigung und Stärkung in dieser so schwierigen Zeit. 
Im Namen des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes. 
In Liebe
P. Peter Bretzinger

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