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Pakistan – Ein Jahr nach dem Massaker von Gojra

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Ein Jahr nach dem Massaker in einem Christenviertel der nordostpakistanischen Stadt Gojra gedenkt die Kirche dort am kommenden Sonntag der Opfer mit einer Heiligen Messe. Der Pfarrer von Gojra, Yaqub Masih, sagte gegenüber KIRCHE IN NOT, dass der Gottesdienst trotz der schwierigen Situation für die Christen vor Ort gefeiert werde. Masih betonte: „Wir haben Angst und fühlen uns verfolgt, aber wir lassen uns nicht davon abhalten, unserer Toten zu gedenken.“ Am 1. August 2009 hatten fast dreitausend aufgehetzte muslimische Fanatiker mit Stöcken und Schusswaffen bewaffnet das christliche Viertel von Gojra gestürmt.

Eine achtköpfige Familie war damals in ihrem Wohnhaus eingesperrt und verbrannt worden, mehr als 20 Menschen wurden bei dem Überfall verletzt, über 50 Häuser und zwei Kirchen in Brand gesteckt.

Erst in der vergangenen Woche, am 19. Juli 2010, hatte es in der Region erneut einen religiös motivierten Mord an Christen gegeben. Die beiden Brüder Rashid und Sajid Emmanuel waren vor einem Gerichtsgebäude in Faisalabad erschossen worden, obwohl sie unter Polizeischutz standen, nachdem sie im Gericht zum Vorwurf der Beleidigung des Propheten Mohammed angehört worden waren. Auf ein solches Vergehen steht in Pakistan gemäß den sogenannten „Anti-Blasphemie-Gesetzen“ die Todesstrafe oder lebenslängliches Gefängnis. Nach dem Mord an den Brüdern hatte es weitere anti-christliche Unruhen in Faisalabad gegeben. So setzte die Polizei Tränengas gegen eine Menschenmenge ein, die das Elternhaus der Ermordeten angreifen wollte. Mehrere katholische Kirchen wurden mit Steinen beworfen.

Der Bischof von Faisalabad, Joseph Coutts, sagte gegenüber KIRCHE IN NOT, er fordere Gerechtigkeit für die Opfer, die „unschuldig und unter klarer Missachtung geltenden Rechts“ ermordet worden seien. Der Bischof betonte, die beiden Christen seien in der Begleitung von drei Polizisten in aller Öffentlichkeit vor vielen Augenzeugen erschossen worden. „Da sollte es doch nicht so schwierig sein, den Täter zu fassen“, beklagte Bischof Coutts und kündigte an, weiter Druck auf die Behörden auszuüben, denen es nach seiner Aussage „am liebsten wäre, die ganze Angelegenheit unter den Teppich zu kehren“. Allerdings räumte der Bischof ein, dass es auch Fortschritte gegeben habe. Einer der Polizisten, die die beiden Christen hätten bewachen sollen, sei mittlerweile vom Dienst suspendiert worden und die Behörden hätten versprochen, den Mordfall weiter zu untersuchen. Die Regierung habe außerdem Entschädigungszahlungen für Christen angekündigt, deren Eigentum in den vergangenen Unruhen beschädigt worden sei.

Bischof Coutts zeigte sich besorgt über die andauernden Versuche militanter Gruppen, Christen und Muslime gegeneinander aufzustacheln. So seien die ermordeten Brüder Emmanuel angeklagt worden, weil auf einem offensichtlich gefälschten Flugblatt mit Beleidigungen des Propheten Mohammed auch die Kontaktdaten der beiden gefunden worden waren. Der Bischof betonte, es sei offensichtlich, dass dieses Dokument nur dazu dienen sollte, zwei Unschuldige in Schwierigkeiten zu bringen. Darum habe auch die Polizei bisher lediglich ermittelt; eine Anklage gegen die Brüder sei noch nicht erfolgt.

Sorgen bereiten dem Bischof auch die Angriffe militanter Gruppen auf muslimische Heiligtümer wie den Schrein von Lahore. Er sagte, es gebe in Pakistan Fanatiker, die „einfach nur Chaos verursachen und die Ordnung zerstören wollen“. Bischof Coutts vermutet, dass jene Gruppe auch hinter der Ermordung der beiden Christen vergangene Woche stehen könnte. Er betonte, der sichtbare Fanatismus repräsentiere nur die Sichtweise einer Minderheit unter den Muslimen, aber er bringe die Stimme der Mehrheit zum Schweigen.

Bischof Coutts befürchtet, dass sich die Beziehungen zwischen Muslimen und Christen weiter verschlechtern könnten. „Es steht auf Messers Schneide“, sagte der Bischof. Daher versuche er – gemeinsam mit führenden Politikern und Imamen – die interreligiösen Beziehungen zu heilen. Ein wichtiger Durchbruch sei dabei während der vergangenen Freitagsgebete erzielt worden, als Imame in Faisalabad die Menschen zu Toleranz und Achtung der Menschenwürde aufriefen.

KIRCHE IN NOT bittet seine Unterstützer um das Gebet für die Christen in Pakistan und für ein friedliches Zusammenleben der Religionen. Das Hilfswerk unterstützt die katholische Kirche vor Ort durch Existenzhilfen für Priester, Hilfe bei der Renovierung und dem Neubau von kirchlichen Gebäuden sowie durch geistliche Literatur in der Landessprache.

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