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Neue Aspekte zum Genozid: Versuch des Vatikans, das Verbrechen zu stoppen

„Man wollte das christliche Element vernichten“
Ein Interview mit dem Historiker und Autor Michael Hesemann

Am 24. April vor 100 Jahren begann das Massaker an den Armeniern im Osmanischen Reich, auf dem Boden der heutigen Türkei, mit rund 1,5 Millionen Toten. Papst Franziskus sprach am vergangenen Sonntag ausdrücklich von einem „Völkermord“. Von der Türkei wird dieser Genozid von 1915 bis heute offiziell bestritten.
Der Historiker Michael Hesemann hat über den Völkermord an den Armeniern ein Buch geschrieben. Bei seinen Recherchen in den Vatikanischen Geheimarchiven stieß er auf Quellen, die bis dahin noch nicht veröffentlicht waren. Aus diesen Quellen geht hervor, dass der Heilige Stuhl damals alles versucht hat, das Verbrechen an den Armeniern zu stoppen.
In einem Interview mit dem weltweiten katholischen Hilfswerk „Kirche in Not“ spricht Michael Hesemann über die historischen Hintergründe des Völkermords, die Rolle Deutschlands und die geschichtliche Aufarbeitung. Die Fragen stellte Berthold Pelster.

KIRCHE IN NOT: Herr Hesemann, Sie haben ein Buch über den Völkermord an den Armeniern geschrieben. Wie kamen Sie auf diesen Gedanken?
MICHAEL HESEMANN: Ich bin eher zufällig darauf gestoßen. Ich habe über Papst Pius XII.  recherchiert, weil ich mehr über seine Hintergründe und wie er noch zu seiner Zeit als Nuntius auf die verschiedenen Herausforderungen im Ersten Weltkrieg reagierte, erfahren wollte. Dabei entdeckte ich eine Akte mit der Überschrift „Die Verfolgung der Armenier“. Darin fand ich einen sehr bewegenden Brief, den der damalige Kölner Erzbischof Kardinal von Hartmann an den deutschen Reichskanzler geschrieben hat. Er erklärte darin, die Deutschen müssten endlich etwas unternehmen, damit die Türken, ihre Verbündeten im Ersten Weltkrieg, die blutige Verfolgung der Armenier beenden, die, so wörtlich „an Grausamkeit den Christenverfolgungen der ersten Jahrhunderte“ nicht nachstehen würde. Ein weiteres Hinnehmen dieser Gräuel würde sonst auf ewig Schande über den deutschen Namen bringen, denn bei dem Täter handle es sich immerhin um Deutschlands engsten Verbündeten. Im Anhang der Akte befand sich auch eine Kopie des Briefes, den Papst Benedikt XV. an Sultan Mehmet V. geschrieben hatte und  in dem dieser anmahnte, das Morden endlich zu beenden. Ich habe seitdem über 2500 Seiten bis dahin unveröffentlichter Dokumente über dieses Ur-Verbrechen gefunden, das, wie wir heute wissen, der Schoah, dem Holocaust, als Vorbild diente.

Haben Sie neue Erkenntnisse gewonnen?
Bei diesen Dokumenten handelt es sich um einen regelrechten, bislang noch nicht gehobenen Quellenschatz. Wir kannten bislang die Quellen, die das deutsche Auswärtige Amt freigegeben hat, die Dokumente der Amerikaner, Briten und Franzosen, aber niemand war auch nur auf die Idee gekommen, im Vatikan zu forschen. Dabei war eigentlich davon auszugehen, dass der Vatikan gut informiert war, schon durch die Armenisch-Katholische Kirche, die in der Türkei mit über 100 000 Gläubigen überall im Lande vertreten war. Hinzu kamen die Augenzeugenberichte deutscher Missionare, deutscher und österreichischer Kapuziner, Lazaristen, Franziskaner und Missionsbenediktinerinnen. All diese Berichte und Quellen liegen jetzt vor. Sie erweitern das Bild, das wir bisher von den Ereignissen hatten, und fügen ihm eine ganz neue Perspektive hinzu. Wir sehen in ihnen, wie der Heilige Stuhl alles versucht hat, um dieses Verbrechen zu stoppen, wie er eben damals schon zum Anwalt der Menschlichkeit wurde und gegen einen so grausamen Völkermord kämpfte.

Hat man von Anfang an daran gedacht, diese religiöse christliche Minderheit zu vernichten oder gab es auch Ideen, sie nur umzusiedeln?
Ursprünglich waren die gemäßigten Kräfte der Jungtürkischen Bewegung an der Macht, die sich für Religionsfreiheit und Menschenrechte einsetzten. Doch als es bald darauf auf dem Balkan, teilweise inspiriert von der panslawischen Idee, die von den Russen propagiert wurde, zu Aufständen der christlichen Bevölkerung gekommen war und ganze Staaten in die Unabhängigkeit entlassen werden mussten, kam es innerhalb der türkischen Regierung zu einem Putsch. Schließlich kam der radikale Flügel der Bewegung an die Macht, der von der Idee einer ethnisch und religiös homogenen „Türkei allein für die Türken“ besessen war. Und der beschloss den Völkermord, um die störenden, da unsicheren „Fremdelemente“ zu „entfernen.“

Im Sommer 1914 brach der Erste Weltkrieg aus. Welche Folgen hatte das für den Konflikt?
Eine weitere Radikalisierung. Vor allem lieferte der Krieg den Jungtürken einen Vorwand, einen Krieg im Inneren zu führen. Was auch noch dazu beigetragen hat, war, dass damals auf Anregung Berlins der Dschihad ausgerufen wurde. Da haben auch die Deutschen als Verbündete der Türken an die Instrumentalisierung des Islam gedacht, wollten sie die damals 300 Millionen Muslime in der Welt unter einer Fahne vereinen, um mit ihnen die britische und französische Dominanz im Orient zu beenden. So wurde im November 1914 mit einer Fatwa des Sheikh ül-Islam, des Obersten Islamgelehrten der Türkei, unterschrieben vom Sultan, der Dschihad ausgerufen. In dem Moment, als die Armenier Rechte forderten, hatten sie den Urvertrag jeder Islamischen Gesellschaft gebrochen, nachdem die Muslime herrschen, die Christen dagegen als „Schutzbefohlene“ (dhimmis) ihre Steuern entrichten und sich ansonsten unterzuordnen hatten. Da war jede Forderung nach Mitbestimmung automatisch eine „Kriegserklärung“ der „Ungläubigen“ gegen die Türken – oder wurde zumindest als solche verstanden.

Als Beginn des Völkermordes gilt der 24. April 1915. Was passierte an diesem Tag?
An dem Tag wurde die gesamte armenische Elite in Konstantinopel verhaftet und deportiert. Nur sechs von ihnen – es waren insgesamt 870, die deportiert wurden – überlebten, weil es ihnen gelang, türkische Wächter zu bestechen und zu fliehen. Alle anderen wurden brutal ermordet. Die Verhaftung und Deportierung, ja der gesamte Völkermord an den Armeniern fand unter dem Vorwand statt, die Armenier hätten sich heimlich mit den Russen, den Gegnern im Ersten Weltkrieg, verbündet. Darum müssten sie deportiert werden.
Sie wurden in die syrische Wüste geschickt – in jene Gebiete, die wir heute aus den Nachrichten leider nur allzu gut kennen, weil dort derzeit der „Islamische Staat“ wütet. Als nächstes wurden sämtliche armenischen Männer „einberufen“, um anschließend entweder als Zwangsarbeiter eingesetzt oder direkt massakriert zu werden. Frauen, Kinder und alte Menschen wurden auf hunderte Kilometer lange „Todesmärsche“ geschickt. Zu Fuß. Ihnen wurde alles genommen, auch die Kleider. Nur ein Bruchteil dieser Menschen erreichte Syrien, – oft nackt, krank und am Rande der Erschöpfung. Viele Hunderttausende waren schon auf dem Weg dahin verhungert, verdurstet oder zusammengebrochen. Man hat ihnen das Trinken verweigert, obwohl man an Flüssen vorbeikam. Brot gab es nur einmal in der Woche. Teilweise mussten sie Kadaver essen, die am Wegesrand lagen. Von den insgesamt rund zwei Millionen Deportierten überlebten nur einige Hunderttausend im gesamten Land, weil sie irgendwohin fliehen konnten. Nur Konstantinopel und Smyrna blieben von den Deportationen verschont.

Viele Historiker bezeichnen dieses Menschheitsverbrechen als „Völkermord“. Die Türkei lehnt bis heute den Begriff ab und spricht von kriegsbedingten Geschehnissen. Wie ist diese Haltung zu bewerten?
Der Begriff „Völkermord“ wurde von Juristen und Historikern aufgrund der Erfahrung mit den Armeniern überhaupt erst ins Leben gerufen. Wenn also ein Völkermord der „Ur-Völkermord“ ist, dann der an den Armeniern. Er diente auch Hitler als Vorbild für den Holocaust, wie ich in meinem Buch nachweise. Bis heute wird der Völkermord von den Türken strikt bestritten. Es wird behauptet, das alles seien lediglich kriegsnotwendige Evakuierungen und Umsiedelungen gewesen, bei denen vielleicht dreihunderttausend Menschen durch Krankheiten, Hunger und Versorgungsengpässe ums Leben kamen. Zwar hat der türkische Premierminister Erdogan im April 2014 den Armeniern sein Beileid ausgesprochen, aber es wird keine Verantwortung übernommen, obwohl vollkommen klar ist, dass die 1,5 Millionen Toten eben kein Kollateralschaden waren, sondern Opfer einer befohlenen Vernichtung ganzer Ethnien und fast aller nichtmuslimischen Religionsgemeinschaften. So steht es ganz eindeutig in den Vatikanischen Dokumenten. Man folgte einem Plan, wollte das „christliche Element“ in der Türkei vernichten. Dass diese Tatsache heute nach wie vor bestritten wird, kann so nicht hingenommen werden.

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Wie sieht die Zukunft des Casa Hogar de Jesús aus?

Schwester Teresita Moncada sandte uns zu Weihnachten einen beeindruckenden Tätigkeitsbericht für das Jahr 2014. Sie schreibt eingangs: „Wir kümmerten uns in 2014 um 55 Kinder. Einige Kinder konnten wieder in ihre Familien eingegliedert werden. Dies ist natürlich nicht bei allen möglich, da viele Familien unbekannt oder zerbrochen sind. Die Eingegliederten kommen auch nicht immer zu ihren leiblichen Eltern. Aber sie leben bei Eltern, die ihnen Zuneigung und Sicherheit schenken…”

Zum Schluss schreibt sie ihre Gedanken zur künftigen Finanzierung:

  • Die Beiträge des Ministerio de Inclusion für Projekte namens Acogimiento Institucional wurden reduziert. Das Ministerium finanziert maximal 30 Prozent der Kosten, die 30 Kinder verursachen. Das entspricht der Finanzierung von zehn Kindern. Bei der Finanzierung der übrigen 45 Kinder sind wir rein auf Spender angewiesen. Zudem erhöht die Unterstützung wieder in ihre Familien eingegliederter Kinder die Mühen und Kosten beständig.
  • Wie können wir die Zukunft durch Eigenfinanzierung sichern?  Wie wird es wohl in 30 Jahren mit dem Casa Hogar de Jesus aussehen, wenn einige von uns wahrscheinlich nicht mehr hier sind. Wie können wir die Jungen weiterhin unterstützen, die unser Haus verlassen und von einem auf den anderen Tag ihre eigene Zukunft in die Hand nehmen müssen?
  • Diesen Jungen sichere Zukunftsaussichten zu bieten, ist unser Wunsch, den wir durch den Kauf einer eigenen Finka gerne realisieren würden.
  • Dieser Ankauf würde es uns einerseits ermöglichen, Kakao, Kaffee und Gemüse anzubauen, sowie Hühner zu halten für den Verkauf und Eigenverzehr. Des weiteren haben wir dadurch die Möglichkeit, Ausbildungsstellen in den Bereichen Landwirtschaft, Schweißerei, Holzarbeit und Bewässerungssysteme für die berufliche Ausbildung unserer Jugendlichen einzurichten. Zudem lernen sie dadurch Disziplin, Selbstständigkeit, Ordnung und Sauberkeit, die im Arbeitsalltag von hoher Bedeutung sind.
  • Durch diesen Prozess wären die Jugendlichen mit 18 Jahren, wenn sie das Casa Hogar de Jesús verlassen, besser für ihre Wiedereingliederung in die Gesellschaft und für den Arbeitsalltag vorbereitet.

Wir sind uns bewusst, dass bei diesem Vorhaben von viel Geld die Rede ist, denn um für eine Gruppe von ca. fünfzig Personen rentabel zu wirtschaften, sollte das Grundstück der Finka ca. 20 Hektar betragen. Uns ist klar, dass wir bald handeln müssen, da die Preise der Grundstücke in Santo Domingo und Umgebung stetig steigen.
>>>Download kompletter Bericht zu Weihnachten 2014

Missbraucht der Islamische Staat (IS) den Islam?

Hat das brutale Vorgehen des sogenannten Islamischen Staates (IS) im Nordirak und in Syrien gegen Christen, Jesiden und anderer religiöser und ethnischer Minderheiten mit dem Islam zu tun? Handelt es sich nur um eine terroristische Organisation, die sich zu Unrecht auf den Koran beruft?

Der Jesuit Professor Christian Troll von der Philosophisch-Theologischen Hochschule Sankt Georgen, Frankfurt am Main, nimmt dazu mit einem aktuellen Aufsatz Stellung.

Er schreibt darin, dass “die Erklärungen (=Distanzierungen von dem Vorgehen des IS) muslimischer Individuen, Gruppen von Gelehrten, Fatwa-Räten und islamischen Bildungseinrichtungen beeindruckend seien. Eine derartige geballte Reaktion auf Seiten der Muslime aller Teile der Welt stelle eine Neuigkeit dar. Der entschlossene Ton sowie die Anzahl der Äußerungen sei beeindruckend. Dennoch bleibe der Makel der verbliebenen Zweideutigkeiten. Alle diese Erklärungen liefen Gefahr, die von ihnen intentierte Wirkung zu verfehlen, sofern sie dem Grundproblem auswichen.

Worin bestehe das Grundproblem? Es liege beschlossen in der Frage, welchen Islam die Unterzeichner der erwähnten Erklärungen genauerhin im Sinn haben, wenn sie sich auf die “Lehren” und die “Werte” ihrer Religion berufen.

Die Dschihadisten fänden in den heiligen Schriften des Islam nicht wenige Texte, die den Gebrauch von Gewalt legitimieren, bzw. vorschreiben, wenn es sich darum handelt, die Interessen des Islam – die mit denen Gottes gleichgesetzt würden – durchzusetzen und den Islam zu verbreiten. Der selbsternannte Kalif Abu Bakr al-Baghdadi mache in seinen Freitagspredigten reichlich Gebrauch von diesen Texten des Korans….”

>>>zum ganzen Artikel

Bereit sein für die kommende schwere Zeit

Der Titel dieser Botschaft mag beängstigen, aber es ist eine große Zeit, eine faszinierende Zeit. Wir werden staunen, es werden Dinge geschehen, die wir noch nie gesehen, ja nicht einmal für möglich gehalten hätten. In aller Kürze wird es geschehen. Es finden keine Entwicklungen mehr statt. Schon ist es da, wir haben es nicht erwartet, es ist vor unseren Augen.

Die Ohren gellen, wir reiben uns die Augen, wir können es nicht glauben, aber es ist wahr: wir sind Zeugen des Zusammenbruchs einer Epoche. Die Trümmer von Damaskus, die zerbombten Häuser, Schutt und Asche zu Bergen getürmt – das ist nichts anderes als ein Bild für das, was jetzt bald auf der ganzen Welt geschieht.

Der Herr reinigt die Erde, es ist zu viel Gift in ihr, die Sünde lastet schwer auf ihr, sie kann es nicht mehr ertragen. Das haben wir getan, wir haben uns zugrundegerichtet, indem wir die alten Ordnungen Gottes, die das Leben garantierten, missachtet haben. Wir sind schuld daran, wir dürfen nicht Gott in Verantwortung ziehen für das Schwere, das jetzt geschieht. Wir müssen es einsehen, wir müssen es zugeben und unsere schwere Schuld bekennen. Durch unser Verhalten ließen wir Gott keine Wahl.

Der Böse ist mächtig geworden durch unsere Sünde. Wir haben ihm einmal mehr Raum gegeben in unserem Leben, auf unserer Erde. Jetzt zeigt er sich. Frech zeigt er sich und dreist, mit lautem Lachen. Oh, wie freut er sich. Es ist sein Triumph. Es ist das, was er immer gewollt hat. Er braucht uns nicht mehr heimlich und tückisch zu umschleichen, nein, die hinterlistige Schlange kommt aus dem Dickicht. Sie schaut ihr Opfer an. Sie will es hypnotisieren. Sie weidet sich an seiner Angst. Schon setzt sie zum Todesbiss an. Was wird geschehen? Wir wissen nicht mehr weiter. Die Waffen dieser Welt haben keine Wirkung mehr, sie werden verzweifelt eingesetzt, aber sie greifen nicht, das Gefühl der Ohnmacht verbreitet sich. Panik und Schrecken bemächtigen sich unserer Herzen und es stellt sich die bange Frage: Werden wir bestehen? Werden wir in unserem Glauben bestehen?

Das möchte ich behaupten, wenn wir das Folgende bedenken: Wer ist wie Gott? Wer kann an Seiner Seite bestehen? Wer vermag etwas gegen Ihn, den Herrn der himmlischen Heere, der lichtvollen Engel, der Heiligen, die mit Ihm streiten? Ihn, den Dreieinigen, Ihn beten wir an. Lassen wir uns nicht von der alten Schlange hypnotisieren. Schauen wir jetzt, wie nie, auf den Dreieinigen, beten wir Ihn an. Er ist der Sieger, Ihm gehört der Triumph. Er ist der Herr des Himmels und der Erde. Ihm allein geben wir die Ehre. Vor Seiner Größe erschaudern wir in heiliger Furcht, Seine zärtliche Liebe tröstet uns wie eine Mutter Ihr Kind. Das ist unser Gott. Denken wir nie, Er ließe uns im Stich. Er ist uns jetzt nahe wie nie zuvor. Schon hat Er uns eine Waffe gegeben, mit der wir siegen werden. Wir haben sie schon immer gehabt, aber wir wussten nicht um ihre Wirkung, wir dachten nicht, sie sei so stark: es ist die eucharistische Gegenwart unseres Herrn, es ist der heilige Rosenkranz. Wir sind unbesiegbar, noch glauben wir es nicht, doch es ist wahr…

Aus dem Rundbrief von Pater Peter Bretzinger, Leiter der Gemeinschaft Communio Sanctorum  >>> weiterlesen

Irak: Klare islamische Position gegen Gewalt und Fanatismus gefordert

Angesichts des barbarischen Vorgehens der Anhänger des “Islamischen Staates” (IS) wird zunehmend die Frage gestellt, ob die praktizierte Gewaltanwendung im Nordirak nicht doch aus der Tradition des Islam kommt. Es wird auch seitens kirchlicher Kommentatoren behauptet, bei der ISIS handle es sich um eine terroristische Verbrecherbande, die mit dem Islam nichts zu tun habe und die islamische Religion nur missbrauche. Lesen wir hierzu das Interview von Radio Vatikan mit dem Islamexperten und Vatikanberater Pater Samir: “Ist das noch Islam?”

Anmerkung: Es gibt nicht “den Islam” – Die Ahmadiyya-Muslime zum Beispiel übersetzen ‘Islam’ mit ‘Frieden’ und sehen den Dschihad als ‘inneren Kampf’ und nicht als ‘Heiligen Krieg’. Anderseits werden die Ahmadiyya von den Sunniten nicht als Muslime anerkannt und sogar (in Pakistan) wegen Blasphemie brutal verfolgt.

Wenn man dazu die ständigen Konflikte zwischen Sunniten und Schiiten betrachtet, fällt es schwer, an eine Religion des Friedens zu denken. Welche Richtung stellt den “wahren” Islam dar? – HJE

Mariam Ishag von Papst Franziskus empfangen

Der Einsatz für die im Sudan zum Tode verurteilte Katholikin Mariam Ibrahim Ishag hat sich gelohnt: Die Ärztin durfte am 24.Juli zusammen mit ihrem Ehemann und den beiden Kindern nach Italien ausreisen. Der Referent für Religionsfreiheit der Internationalen Gesellschaft für Menschenrechte (IGFM), Walter Flick, erklärte gegenüber der Evangelischen Nachrichtenagentur idea: „Der Fall zeigt, dass ausdauernde internationale Appelle Erfolg haben.“ Die IGFM hatte Anfang Juli rund 1.600 Unterschriften bei der sudanesischen Botschaft in Berlin mit der Forderung übergeben, Ishag in ein Land ihrer Wahl ausreisen zu lassen. Flick erinnerte zugleich an weitere Christen, die zum Tode verurteilt wurden und nicht vergessen werden dürften. Als Beispiele nannte er Asia Bibi und das Ehepaar Shafaqat Emmanuel und Shagufta Kasuar in Pakistan. Ihnen wird vorgeworfen, den Propheten Mohammed beleidigt zu haben. Flick verwies auf eine Aufforderung im Neuen Testament: „Denkt an die Gefangenen, als wäret ihr mitgefangen!“ (Hebräer 13,3).

Pakistan: Weiteres Todesurteil wegen Blasphemie

Nach Asia Bibi, der bekannten pakistanischen Christin, wurde jetzt auch der Christ Sawan Masih wegen angeblicher Blasphemie zum Tode verurteilt. Lesen Sie dazu das Interview von Radio Vatikan mit Paul Bhatti, dem Bruder des vor drei Jahren ermordeten pakistanischen Ministers Shabbaz Bhatti.

 

DIE LIEBE GOTTES EROBERT!

Lieben, das ist das Schwierigste. Eigentlich sollte das Gegenteil der Fall sein, denn Gott hat uns mit unendlicher Liebe erschaffen, damit wir zu Wesen werden, die leben, um zu lieben. Die Liebe ist der Grund unserer Existenz. Im Masse es uns gelingt, diese Berufung zu leben, finden wir uns selbst verwirklicht. Und darum handelt es sich, die erste und tiefste Berufung unserer Existenz besteht in der Liebe. Noch bevor zu unterscheiden ist bezüglich des Charismas einer Gemeinschaft oder des ganz persönlichen eines selbst, können wir sprechen von einer universalen Berufung, die jedem einzelnen Menschen zukommt und die darin besteht, zu lieben. Entfernt von dieser Liebe fühlen wir eine Leere, die uns zu verstehen gibt, dass ein solches Leben jeglichen Sinnes entbehrt. Mehr: >>> Download Fasten-Rundbrief von Pater Peter Bretzinger, Ecuador

IGFM: Shabaz Bhatti als Märtyrer anerkennen – Appell gegen Blasphemieurteile

Frankfurt am Main. Drei Jahre nach der Ermordung des pakistanischen Ministers für Minderheiten Shabaz Bhatti soll ihn die katholische Kirche als Märtyrer anerkennen. Das sei ihm die Kirche schuldig, so die Internationale Gesellschaft für Menschenrechte (IGFM). Weil er sich öffentlich für die im November 2010 wegen angeblicher Blasphemie zum Tode verurteilten Asia Bibi eingesetzt hatte, wurde er von seinem Leibwächter auf offener Straße ermordet. Gleichzeitig erinnert die IGFM an all diejenigen, die in Pakistan wegen angeblicher Blasphemie in Todeszellen auf eine Neuaufnahme ihrer Verfahren oder ihre Hinrichtung warten. Zum Tode sind sowohl Christen als auch Muslime verurteilt worden.

Shabaz Bhatti, überzeugter katholischer Christ, hatte sich öffentlich für die Revision des pakistanischen Blasphemiegesetzes eingesetzt. Zu oft wird der Vorwurf, den Koran oder den Propheten beleidigt zu haben, aus persönlicher Rache oder aus Habgier als Waffe gegen Konkurrenten und Andersgläubige eingesetzt. Für strenggläubige Muslime in Pakistan gilt bereits die Anklageerhebung wegen Blasphemie als Beweis der Schuld.

Die Christin Asia Bibi, Vorarbeiterin auf einem Landgut, war von anderen Mitarbeiterinnen aufgefordert worden, zum Islam überzutreten. Ein Disput um ein Trinkwassergefäß, das durch die Berührung durch die Christin angeblich unrein geworden sei, führte zur Anzeige wegen Blasphemie. Asia Bibi wurde im November 2010 als erste Frau zum Tode verurteilt und wartet in einem Frauengefängnis der Stadt Multan bisher vergeblich auf die Aufhebung des Urteils durch das oberste Provinzgericht in Lahore.

Auch der bereits im Juli 2002 wegen angeblicher Blasphemie zum Tode verurteilte (vermutlich geistesgestörte) Christ Anwar Kenneth, inhaftiert im Männergefängnis von Multan, wurde bisher nicht freigesprochen. Auch Muslime sind Opfer des berüchtigten Gesetzes: Am 22. Januar 2014 erging in Rawalpindi ein Todesurteil wegen Blasphemie gegen den kranken Mohammad Asghar, einem 67jährigen Rentner britischer Staatsangehörigkeit.

Anlässlich des 3. Todestages von Shabaz Bhatti am 2. März bittet die IGFM im Sinne Bhattis den Staatspräsidenten Mamnoon Hussain um umgehende Intervention gegen die bestehenden Blasphemie-Todesurteile, um den Schutz der von Extremisten bedrohten Verurteilten und den Mut zur Revision des Gesetzes.
Die IGFM wendet sich aber auch an Papst Franziskus und erinnert an die bereits im März 2012 von der pakistanischen Bischofskonferenz geforderte Anerkennung des Katholiken Shabaz Bhatti als christlichen Märtyrer der Menschenrechte, insbesondere der Religionsfreiheit. Asia Bibi, für deren Freilassung zu sterben Minister Bhatti nach eigenen Worten bereit war, hat Anfang des Jahres einen bewegenden Brief aus ihrer Todeszelle heraus an Papst Franziskus geschrieben.

Aktuell berichtet Radio Vatikan: Das Oberste Gericht in Lahore hat den Start des Prozesses verschoben, bei dem Asia Bibi gegen ihr Todesurteil in die Berufung zieht. Die Christin, eine Mutter von fünf Kindern, sitzt seit 2009 im Gefängnis, weil sie den islamischen Propheten Mohammed beleidigt haben soll. Nach Angaben von Mobeen Shahid, Dozent für Islamisches Denken an der Päpstlichen Lateranuniversität, wurde Asia Bibi in ein Gefängnis im Süden des Landes verlegt; damit sei es für ihre Familie „sehr schwer geworden, sie zu erreichen“. Die Gefangene stehe „unter enormem Stress“ und werde „von ihren Mitgefangenen bedroht“. (rv)

Anmerkung: Die Verschiebung kann wohl in Zusammenhang mit dem aktuellen Anschlag auf ein Gericht in Islamabad gesehen werden: Die Richter haben Angst. Bei dem Anschlag in Islamabad wurde ein Richter getötet, der sich durch seine Urteile bei Islamisten unbeliebt gemacht hat.

Nachfolge, Mission und Verfolgung

Nachfolge Jesu, auch Mission, war von Anfang an mit Verfolgung verknüpft. Als Petrus zu Jesus sagte: “Sieh, wir haben alles verlassen und sind dir nachgefolgt”, antwortete Jesus: “Wahrlich, ich sage euch: Niemand hat Haus oder Brüder oder Schwestern oder Mutter oder Vater und Kinder oder Äcker um meinetwillen und um der Heilsbotschaft willen verlassen, der nicht hundertfältig empfängt, jetzt in dieser Zeit Häuser und Brüder und Schwestern und Mütter und Kinder und Äcker – (wenn auch) unter Verfolgungen – und in der künftigen Welt ewiges Leben.” (Mk 10,28-30).

Bereits die ersten christlichen Gemeinden waren Verfolgungen ausgesetzt. Dies zog sich – mit Unterbrechungen – hin bis zur sogenannten Konstantinischen Wende im 4. Jahrhundert.
Ende des 20. Jahrhunderts bis Anfang des 21. Jahrhunderts war “Christenverfolgung” kein besonderes Thema.
Noch vor sechs Jahren gab es ungläubige Gesichter und Reaktionen – auch bei kirchlichen Amtsträgern – wenn das Gespräch auf “Christenverfolgung heute” kam. Nun kann über die Tatsache, dass weltweit Millionen Christen diskriminiert, bedrängt, verfolgt und oft auch getötet werden, niemand mehr hinwegsehen. Nicht zuletzt haben die Vorkommnisse im Irak, in Ägypten, in Syrien, Eritrea, in der Türkei, in Indien, in Pakistan, im Iran und anderen Ländern, zur öffentlichen Bewusstseinsbildung beigetragen. Dies ist ist auch der Verdienst von Menschenrechtsorganisationen, wie unter anderen die Internationale Gesellschaft für Menschenrechte (IGFM), die immer wieder mit Aktionen und Appellen auf die fehlende Religionsfreiheit und auf Verfolgungen aufmerksam machen.

Bedrängnis, Diskriminierung und Verfolgung sind in den über 60 Ländern mit eingeschränkter Religionsfreiheit unterschiedlich ausgeprägt:

  • In manchen Ländern wird das religiöse Bekenntnis zwar grundsätzlich geachtet. Sobald Christen sich jedoch mutig für die Menschenrechte einsetzen und sich an die Seite der Armen stellen, sind sie gefährdet. Dies betrifft vor allem Lateinamerika. Priester und Laien haben bereits einen hohen Blutzoll entrichtet. Die Bedrohung bleibt.
  • Auch die Situation in kommunistischen Staaten ist nach wie vor bedrückend. Zwar hat sich in China und Vietnam manches gebessert. Die Kirche lebt dort inzwischen freier, wenngleich die Verhältnisse regional sehr unterschiedlich sind. Aber nach wie vor wird in diesen Ländern der Aktionsradius von Kirche und Christen eingeengt, und die staatlichen Behörden greifen in die inneren Angelegenheiten der Kirche ein. Zu erwähnen ist besonders Nordkorea. Es wird geschätzt, dass dort zwischen 50.000 und 70.000 Christen in über 30 Arbeits- und Straflagern gefangen gehalten werden. 200.000 leben dort im Untergrund.
  • Massiv angewachsen ist in vor allem die Bedrohung von Kirchen und Christen in manchen islamisch geprägten Ländern. Ein erstarkter religiöser Fundamentalismus gewinnt zunehmend Einfluss. Als Folge davon werden Christen durch gesetzliche Diskriminierung zu Bürgern niederen Ranges herabgestuft und an der Ausübung ihres Rechtes auf Religionsfreiheit gehindert
    Länder wie Sudan und Iran haben ihre Strafgesetzgebung der Scharia, dem islamischen  Recht, angepasst. Dadurch droht Muslimen, die zum Christentum konvertieren, sogar die Todesstrafe. Nicht-muslimischen Bürgern wird die Ausübung ihrer Religion sehr schwer, wenn nicht gar unmöglich gemacht.

Über das aktuelle Geschehen, sowie über Unterstützungsmöglichkeiten, informieren wir mittels der aufgeführten Links und Feeds.

Franziskus spricht von ‘Völkermord’ – schürt er damit Hass?

Asia Bibi soll leben!

Indien: Christen und Muslime sollen Hindus werden

RSS Arbeitskreis Religionsfreiheit weltweit

  • Kenia: Gezielte Tötung von Christen 3. April 2015
    Die somalische Terrormiliz Al-Shabaab hat mindestens 147 Menschen bei einem Anschlag an einer kenianischen Universität getötet. Die meisten Opfer im Uni-Campus in Garissa im Nordosten Kenias seien angegriffen worden, weil sie Christen waren. Das sagt Bischof Joseph Alessandro, Koadjutorbischof von Garissa, gegenüber der Nachrichtenagentur misna… siehe >>>Beitrag von Radio Vatikan
    Ernesto
  • Appellbitte für zwei inhaftierte sudanesische Pastoren 3. April 2015
    Anklage wegen Evangelisierung unter Muslimen Yat Michael, Pastor der Presbyterianischen Kirche des Südsudans, besuchte im Dezember 2014 die sudanesische Hauptstadt Khartum, um medizinische Hilfe für seinen jungen Sohn zu erhalten. Nachdem er bei dieser Gelegenheit in einer presbyterianischen Kirche gepredigt hatte, wurde er nach dem Gottesdienst durch mehrere Mitarbeiter des sudanesischen Geheimdienstes (NISS) ohne nähere […]
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Der Heilige Geist in Algerien